Burg Falkenstein: die Burg über dem Selketal
Wer sich eine Burg so vorstellt, wie Kinder sie malen – mit Mauerring, Tor, Bergfried und Innenhof –, wird auf dem Falkenstein fündig. Die Anlage thront auf einem Felsrücken im Unterharz, umgeben vom Naturschutzgebiet Selketal, und hat ihren mittelalterlichen Charakter trotz vieler Umbauten bewahrt.

Eine Burg, die nie erobert wurde
Die Grundanlage entstand im 12. Jahrhundert, grob zwischen 1120 und 1180. Der Überlieferung nach hat die Gründung eine dunkle Vorgeschichte: Ein Konradsburger soll um 1080 im Streit einen Grafen von Ballenstedt erschlagen haben. Der Stammsitz der Familie wurde daraufhin in ein Kloster umgewandelt, und die Konradsburger bauten sich mit dem Falkenstein einen neuen Sitz. Von da an nannten sie sich Grafen von Falkenstein.
Dank ihrer Lage auf dem Felssporn wurde die Burg nach allem, was bekannt ist, nie erobert. Im Dreißigjährigen Krieg lag zwar eine schwedische Besatzung darin, zerstört wurde sie aber nicht. Das ist der Hauptgrund, warum hier so viel Originalsubstanz steht.
Der Sachsenspiegel
Für die Rechtsgeschichte ist der Falkenstein ein besonderer Ort. Graf Hoyer von Falkenstein war der Auftraggeber, dem Eike von Repgow den Sachsenspiegel widmete, das erste große Rechtsbuch in deutscher Sprache, entstanden nach 1220. Ob Eike tatsächlich auf der Burg geschrieben hat, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit sagen, aber die Verbindung zu Hoyer ist belegt – und die Burg erzählt diese Geschichte in ihrer Ausstellung.
Die Herren von der Asseburg
1437 kam die Burg als Lehen an die Familie von der Asseburg, die sie bis zur Enteignung nach dem Zweiten Weltkrieg besaß. Unter ihnen wurde viel gebaut, vor allem im 15. und 16. Jahrhundert. Ein Wappenstein mit der Inschrift „Bernt van der Asseborch 1491“ erinnert an Bernd VI., dem die Harzer Sage allerlei Schandtaten zuschreibt. Seit 1946 ist die Burg Museum, seit 1998 wird sie von der heutigen Kulturstiftung Sachsen-Anhalt betrieben.
Was Sie oben erwartet
Das Museum zeigt Wohnräume, Burgküche, Kapelle und Rüstkammer; man läuft durch mehrere Höfe und kann den Bergfried besteigen. Zur Burg gehören außerdem eine Falknerei und eine Gastronomie. Die Flugvorführungen mit Greifvögeln sind vor allem für Kinder ein Höhepunkt; die Zeiten werden vor Ort und auf der Website der Burg angekündigt.
Der Weg hinauf
Der Falkenstein ist nicht mit dem Auto erreichbar. Vom Parkplatz führt ein ausgeschilderter Wanderweg rund zwei Kilometer zur Burg; auf diesem Weg verkehrt auch eine kleine Wegebahn. Wer gut zu Fuß ist, geht hinauf – der Waldweg ist Teil des Erlebnisses. Mit Kinderwagen oder eingeschränkter Mobilität ist die Wegebahn die bequemere Wahl, allerdings bleiben auf der Burg selbst Treppen und Kopfsteinpflaster.
Sehr schön lässt sich der Besuch mit einer Wanderung durch das Selketal verbinden. Unterhalb der Burg steht an der Selke die Thalmühle, die 1592 errichtet wurde. Mehr zu diesem Thema finden Sie unter Mühlen im Harz.
Rechnen Sie für Anstieg, Rundgang, Flugvorführung und Rückweg mit einem halben Tag. Wer im Anschluss noch Kultur möchte, fährt weiter nach Gernrode zur Stiftskirche St. Cyriakus.
Abgewogen: Burg Falkenstein
Spricht dafür
- Eine der vollständigsten mittelalterlichen Burganlagen im Harz, nie erobert und nie zerstört.
- Museum, Bergfried und Falknerei machen den Besuch abwechslungsreich, auch für Kinder.
- Einzigartige Verbindung zur Rechtsgeschichte über den Sachsenspiegel.
- Die Lage im Selketal lädt zu einer Wanderung vor oder nach dem Besuch ein.
Spricht dagegen
- Rund zwei Kilometer vom Parkplatz: ohne Fußweg oder Wegebahn kommt man nicht hinauf.
- Auf der Burg viele Stufen und unebene Böden, nur eingeschränkt barrierearm.
- An Ferienwochenenden gut besucht, die Höfe werden dann eng.
- Abseits der großen Orte gelegen, kaum mit einem zweiten Ziel „nebenbei“ zu verbinden.
Unser Fazit: Die richtige Wahl, wenn Sie eine „echte“ Burg sehen wollen und den Anstieg als Teil des Ausflugs verstehen. Für einen schnellen Stopp zwischendurch ist sie zu abgelegen.
Weiterführend: der Wikipedia-Artikel zur Burg Falkenstein mit Baugeschichte und Quellen.


