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Schloss Wernigerode: Märchenkulisse mit Geschichte

Burgen & SchlösserAktualisiert am 3 Min. Lesezeit

Kaum ein Motiv wird im Harz so oft fotografiert: Über den Dächern von Wernigerode erhebt sich ein Schloss mit Türmchen, Erkern und Zinnen, das aussieht, als hätte es sich ein Maler ausgedacht. Tatsächlich ist es ein Bau mit langer Geschichte – und einer sehr bewussten Inszenierung.

Schloss Wernigerode mit Türmen und Dächern im Schnee über der Stadt
Schloss Wernigerode im Winter · Foto: Andreas Tille, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Vom Wehrbau zum Prunkschloss

Die Burg Wernigerode wurde zwischen 1110 und 1120 auf einer Bergkuppe über der damals schon bestehenden Siedlung errichtet. Ihr Bauherr, Graf Adalbert, stammte nicht aus der Region; der Kaiser hatte ihn am Nordrand des Harzes angesiedelt, um seine Machtstellung zu sichern. Zu Füßen der Burg kreuzten sich zwei Handelsstraßen, und in ihrem Schutz wuchs Wernigerode schnell. 1229 erhielt die Stadt Stadtrecht.

Über die Jahrhunderte wurde die Anlage immer wieder umgebaut. Seine heutige Gestalt verdankt das Schloss aber dem Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode, der es zwischen 1862 und 1885 zu einem repräsentativen Prunkschloss umbauen ließ. Das Ergebnis gilt als Leitbau des norddeutschen Historismus: eine Architektur, die sich frei aus Romanik, Gotik und Renaissance bedient, um Geschichte und Herrschaft sichtbar zu machen.

Was das Museum zeigt

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Schloss an die Stadt, die dort ein Museum einrichtete. Seit 1998 versteht es sich als museales Zentrum für die Kunst- und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts. Im Rundgang sieht man Stilzimmer von der Renaissance bis zum Klassizismus, die Wohnräume der gräflichen Familie, die Schlosskirche und den Festsaal. Anders als in vielen Burgmuseen ist die Einrichtung reich und weitgehend geschlossen erhalten; man bekommt ein gutes Gefühl dafür, wie Hochadel im Kaiserreich wohnte.

Von den Terrassen hat man einen weiten Blick über die Stadt und – bei klarem Wetter – bis zum Brocken.

Wie man hinaufkommt

Das Schloss liegt deutlich oberhalb der Altstadt. Zu Fuß geht es auf gut ausgebauten, aber steilen Wegen hinauf; wer das nicht möchte, nutzt die Schlossbahn oder den Bus, die in der Saison aus dem Zentrum fahren. Mit dem Auto kommt man nicht bis ans Schloss.

Unser Tipp

Verbinden Sie das Schloss mit der Altstadt: Rathaus und Fachwerkgassen liegen unten, der Weg hinauf dauert zu Fuß etwa eine halbe Stunde. Wer ohnehin mit der Brockenbahn fahren will, startet ebenfalls in Wernigerode.

Für wen lohnt es sich?

Das Schloss ist ideal für einen Tag, an dem das Wetter für Wanderungen zu unsicher ist. Es eignet sich für Menschen, die sich für Innenräume, Möbel und Alltagsgeschichte interessieren, und lässt sich gut mit einem Stadtbummel verbinden. Kinder finden die Säle manchmal weniger spannend als eine Ruine zum Klettern – hier punkten eher der Regenstein oder der Falkenstein.

Abgewogen: Schloss Wernigerode

Spricht dafür

  • Beeindruckende Silhouette und eines der wichtigsten Schlösser des Historismus in Norddeutschland.
  • Reich eingerichtete Innenräume, gut geeignet bei Regen.
  • Schlossbahn und Bus machen den Besuch auch ohne langen Aufstieg möglich.
  • Direkt kombinierbar mit Altstadt und Brockenbahn.

Spricht dagegen

  • Einer der meistbesuchten Orte im Harz, in den Ferien entsprechend voll.
  • Das Märchenbild ist größtenteils 19. Jahrhundert, nicht Mittelalter.
  • Zu Fuß ein steiler Anstieg, mit dem Auto nicht bis ans Schloss.
  • Für kleine Kinder bieten die Innenräume wenig zum Anfassen.

Unser Fazit: Ein lohnender Klassiker, gerade in Kombination mit der Altstadt und bei unsicherem Wetter. Wer mittelalterliche Originalsubstanz sucht, ist auf dem Falkenstein besser aufgehoben.

Weiterführend: Schloss Wernigerode in der Wikipedia.

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