Burgruine Regenstein: Felsenburg bei Blankenburg
Knapp drei Kilometer nördlich von Blankenburg ragt ein Sandsteinmassiv steil aus dem Harzvorland. Auf seiner höchsten Stelle stand eine der ungewöhnlichsten Burgen der Region: Die Regensteiner Grafen ließen einen großen Teil ihrer Räume nicht mauern, sondern direkt in den weichen Fels schlagen. Diese Kammern sind bis heute erhalten, während der Rest der Burg längst verschwunden ist.

Die Grafen von Regenstein
Urkundlich taucht ein „Graf von Regenstein“ zum ersten Mal 1162 auf. Bekannt wurde die Familie durch Albrecht II. von Regenstein, der in den 1330er Jahren mit fast allen Nachbarn im Streit lag – mit den umliegenden Städten, dem Bischof von Halberstadt und der Äbtissin von Quedlinburg. Die Romantik machte daraus den „Raubgrafen“: Gottfried August Bürger schrieb eine Ballade, Julius Wolff einen Roman. Wie viel davon Legende ist, lässt sich schwer sagen; sicher ist, dass die Regensteiner im 15. Jahrhundert in das bequemere Schloss in Blankenburg umzogen und die Burg verfiel.
Von der Burg zur Festung
Die Geschichte war damit nicht zu Ende. Ab 1671 bauten die Preußen den Felsen zur Festung aus, mit Schanzen, Bastionen und einer Umfassungsmauer, die bis 1742 auf rund 1200 Meter wuchs. Im Siebenjährigen Krieg wechselte die Festung zweimal den Besitzer: 1757 musste sie an die Franzosen übergeben werden, 1758 eroberten die Preußen sie zurück und machten sie unbrauchbar. Erhalten sind die Kasematten, die Einbauten im Fels und das restaurierte Eingangstor.
Was man heute sieht
Der Reiz des Regensteins liegt im Erkunden. Man steigt Felstreppen hinauf, schaut in Kammern, deren Wände noch die Spuren der Werkzeuge zeigen, und steht schließlich oben auf dem Plateau mit weitem Blick über das Harzvorland bis Halberstadt. Reste des Bergfrieds und die Festungsbauten geben eine Ahnung davon, wie die Anlage einmal ausgesehen hat. Schautafeln helfen bei der Einordnung.
Unterhalb der Ruine liegen die sogenannten Sandhöhlen und die Stelle der mittelalterlichen Regensteinmühle, deren Mühlgraben teilweise freigelegt wurde – ein schöner Anknüpfungspunkt zum Thema Mühlen.
Der Sandstein ist bei Nässe rutschig, und nicht jede Kante ist gesichert. Kleine Kinder gehören an die Hand, feste Schuhe sind Pflicht. Hunde sollten angeleint bleiben.
Für wen lohnt es sich?
Der Regenstein ist kein Ort für einen Museumsnachmittag, sondern für einen Ausflug an der frischen Luft. Kinder im Grundschulalter sind hier meistens begeistert, Fotografen kommen am frühen Abend auf ihre Kosten, wenn tiefes Licht den Sandstein warm färbt. Wer Kultur und Innenräume sucht, fährt besser zum Schloss Wernigerode, das sich an denselben Tag hängen lässt.
Abgewogen: Burgruine Regenstein
Spricht dafür
- Einzigartige Felsenburg mit in den Stein gehauenen Kammern und Kasematten.
- Weite Aussicht über das Harzvorland.
- Kurzer Weg vom Parkplatz, gut für einen halben Tag.
- Für Kinder ein Abenteuerspielplatz mit echter Geschichte.
Spricht dagegen
- Bei Regen kaum Schutz, der Sandstein wird rutschig.
- Vom mittelalterlichen Bau ist wenig übrig, man braucht etwas Vorstellungskraft.
- Nicht barrierefrei: Treppen, Stufen, unebene Felsflächen.
- Nicht alle Kanten sind gesichert, kleine Kinder brauchen Aufsicht.
Unser Fazit: Für Familien und alle, die gern selbst entdecken, eines der unterhaltsamsten Ziele im Nordharz. Bei Regen, Glätte oder mit wenig Trittsicherheit lieber ein anderes Ziel wählen.
Weiterführend: Burg Regenstein in der Wikipedia.


