Wassermühle, Bockwindmühle, Holländer: Mühlentypen im Harz
Mühlen sind die freundlichsten technischen Denkmale, die es gibt. Man sieht ihnen an, was sie tun: Ein Rad dreht sich im Wasser, Flügel drehen sich im Wind, und innen setzen Wellen und Zahnräder die Bewegung in Arbeit um. Am Harz lässt sich gut beobachten, wie die Landschaft den Mühlentyp bestimmt.

Wasser aus dem Gebirge
Im Harz selbst fließen die Bäche schnell und mit viel Gefälle. Das ist ideal für Wassermühlen. Bei der oberschlächtigen Bauweise wird das Wasser über eine Rinne von oben auf das Rad geleitet und treibt es durch sein Gewicht an; bei wenig Gefälle strömt es unten gegen die Schaufeln. Das Mühlenhaus steht fest, die Kraft kommt über eine Welle hinein.
Wassermühlen brauchten verlässliches Wasser. Deshalb wurden Bäche aufgestaut und über lange Mühlgräben herangeführt. Ein Beispiel aus dem Nordharz: Die mittelalterliche Regensteinmühle unterhalb der Burg Regenstein bekam ihr Wasser über einen knapp zwei Kilometer langen Graben. Im Oberharz entstand aus solchen Gräben und Teichen ein ganzes System, das die Bergwerke antrieb, siehe Grube Samson.
Wind im Vorland
Nördlich und östlich des Harzes wird das Land flach und offen. Dort drehten sich Windmühlen. Der älteste Typ in Europa ist die Bockwindmühle: Das ganze hölzerne Mühlenhaus sitzt auf einem einzigen dicken Pfahl, dem Hausbaum, und wird mit einem langen Balken, dem Sterz, von Hand in den Wind gedreht. Das ist mühsam, wenn der Wind oft wechselt. Bockwindmühlen sind in Europa seit dem 11. Jahrhundert belegt und im deutschen Raum seit dem 15. Jahrhundert häufiger.
Ab dem 16. Jahrhundert setzte sich in Norddeutschland die Holländermühle durch. Bei ihr steht ein fester Turm aus Stein oder Holz, und nur die Kappe mit den Flügeln dreht sich. Das ist stabiler, erlaubt größere Mühlen und spart Kraft. Viele Holländer haben eine umlaufende Galerie, von der aus der Müller Flügel und Kappe bediente.
Woran Sie welche Mühle erkennen
- Rad an der Seite, Wasserrinne oder Graben in der Nähe: Wassermühle.
- Holzkasten auf einem Gestell, langer Balken nach hinten: Bockwindmühle.
- Fester, oft achteckiger oder runder Turm mit drehbarer Haube: Holländermühle.
- Runder Turm aus Stein ohne Galerie: häufig eine Turmwindmühle, eine eng verwandte Bauform.
Kinder verstehen das Prinzip am besten, wenn sie selbst sehen, wie das Korn oben eingefüllt wird und unten als Mehl herauskommt. Das klappt fast nur, wenn die Mühle in Betrieb ist – also am Mühlentag oder bei Vorführungen.
Wo man Mühlen am Harz findet
Mühlen verteilen sich über viele kleine Orte am Harzrand, im Vorland und in den Tälern. Viele werden von Vereinen gepflegt. Eine gute Einstiegshilfe ist die Liste der teilnehmenden Mühlen zum Deutschen Mühlentag, die jedes Jahr veröffentlicht wird. Im Selketal kann man den Besuch einer Mühle mit einer Wanderung zur Burg Falkenstein verbinden.
Abgewogen: Mühlentypen erkennen
Spricht dafür
- Man versteht Technik unmittelbar, ohne Vorwissen.
- Oft in schöner Lage an Bächen oder mit Weitblick im Vorland.
- Engagierte Vereine erklären mit viel Begeisterung.
- Gut mit Radtouren oder Wanderungen kombinierbar.
Spricht dagegen
- Viele Mühlen sind nur an wenigen Tagen im Jahr geöffnet.
- Einzeln sind die meisten Mühlen kein Tagesziel.
- Innen eng und steil, mit Kinderwagen oder Rollstuhl kaum zugänglich.
- Ohne Betrieb bleibt vieles abstrakt.
Unser Fazit: Mühlen sind ein wunderbares Nebenziel für neugierige Menschen, die gern verstehen, wie Dinge funktionieren. Wer spontan und ohne Plan losfährt, steht dagegen oft vor verschlossenen Türen.
Mehr zu den Bauformen: Bockwindmühle und Holländerwindmühle in der Wikipedia.


