Museen in Quedlinburg: Feininger, Klopstock und Fachwerk
Quedlinburg ist klein genug, um alles zu Fuß zu erreichen, und reich genug an Geschichte, um einen ganzen Regentag mit Museen zu füllen. Drei Häuser stechen heraus, weil sie jeweils eine eigene Geschichte erzählen: eine Kunstsammlung, die vor der Zerstörung gerettet wurde, das Geburtshaus eines einst berühmten Dichters und ein Fachwerkhaus, das selbst das Ausstellungsstück ist.

Museum Lyonel Feininger
Lyonel Feininger war Maler, Grafiker und einer der ersten Meister am Bauhaus. Dass es ausgerechnet in Quedlinburg ein Museum für ihn gibt, verdankt sich dem Quedlinburger Hermann Klumpp, einem ehemaligen Bauhaus-Schüler. Er bewahrte Werke Feiningers vor der Vernichtung durch die Nationalsozialisten, die seine Kunst als „entartet“ verfemten. Das Museum wurde 1986, noch zu DDR-Zeiten, eröffnet und ist das einzige Feininger-Museum.
Die Sammlung gehört zu den umfangreichsten geschlossenen Beständen von Grafiken, Radierungen, Lithografien und Holzschnitten des Künstlers und deckt seine Schaffenszeit in Deutschland von den 1890er Jahren bis 1937 ab. Ergänzt wird sie durch Werke anderer Künstler der Moderne, darunter Kandinsky, Klee und Nolde. 1997 kam ein Neubau im Innenhof hinzu. Das Museum liegt am Finkenherd, ein zweiter Zugang befindet sich am Schlossberg neben dem Klopstockhaus.
Grafiken sind lichtempfindlich. Deshalb werden sie im Wechsel gezeigt und in gedämpftem Licht präsentiert. Wer große, leuchtende Gemälde erwartet, sollte vorab schauen, welche Ausstellung gerade läuft.
Klopstockhaus
Am Fuß des Schlossbergs steht das Geburtshaus von Friedrich Gottlieb Klopstock, geboren 1724. Heute kennen ihn viele nur noch aus dem Deutschunterricht; zu Lebzeiten wurde er häufiger gelesen als seine Zeitgenossen Goethe und Schiller. Das Haus ist seit 1899 ein Literaturmuseum. Es erzählt von Klopstocks Leben und Werk und stellt weitere Persönlichkeiten aus Quedlinburg vor. Angeschlossen sind eine Bibliothek, ein Archiv und ein kleiner Garten mit Pavillon.
Das Klopstockhaus ist ein ruhiger Ort. Wer sich für Literaturgeschichte interessiert, bekommt ein gutes Bild davon, wie sich die deutsche Dichtung im 18. Jahrhundert aus älteren Formen löste. Für Kinder ist es eher trocken.
Fachwerkmuseum im Ständerbau
In der Altstadt steht der Ständerbau, eines der ältesten Fachwerkhäuser Quedlinburgs. Hier ist das Haus selbst die Ausstellung: Man sieht, wie die senkrechten Ständer vom Boden bis zum Dach durchlaufen, wie die Hölzer verzapft sind und wie sich die Bauweise über die Jahrhunderte veränderte. Nach einem Besuch sieht man die über 2000 Fachwerkhäuser der Stadt mit anderen Augen.
So verbinden Sie die Museen
Die Wege sind kurz: Vom Markt zum Ständerbau und hinauf zum Finkenherd braucht man nur ein paar Minuten. Ein möglicher Tag: vormittags Fachwerkmuseum und Altstadt, mittags eine Pause, nachmittags Feininger und zum Abschluss Stiftskirche und Domschatz. Mehr Museen im Harz sammelt die Themenseite Museen und Galerien.
Abgewogen: Museen in Quedlinburg
Spricht dafür
- Das weltweit einzige Feininger-Museum mit einer herausragenden Grafiksammlung.
- Drei sehr verschiedene Häuser in wenigen Gehminuten.
- Wetterunabhängig und gut mit Schlossberg und Altstadt zu verbinden.
- Das Fachwerkmuseum schärft den Blick für die ganze Stadt.
Spricht dagegen
- Grafiken werden im Wechsel und bei wenig Licht gezeigt.
- Das Klopstockhaus spricht vor allem Literaturinteressierte an.
- Für kleine Kinder wenig Mitmachangebote.
- Öffnungstage unterscheiden sich, nicht jedes Haus hat täglich geöffnet.
Unser Fazit: Für einen Regentag in Quedlinburg ideal, und das Feininger-Museum lohnt für Kunstfreunde sogar eine eigene Anreise. Wer mit Kindern unterwegs ist, wählt eher das Fachwerkmuseum als die Grafikkabinette.
Quellen: Museum Lyonel Feininger und Klopstockhaus in der Wikipedia.


