Deutscher Mühlentag im Harz: Pfingstmontag in der Mühle
Einmal im Jahr ist bei vielen Mühlen alles anders. Wo sonst ein Schloss vor der Tür hängt, stehen am Pfingstmontag die Türen offen, die Flügel drehen sich, es riecht nach frischem Mehl und Kaffee. Der Deutsche Mühlentag ist die einfachste Gelegenheit, gleich mehrere Mühlen hintereinander von innen zu sehen – auch rund um den Harz.

Wie der Mühlentag entstand
Die Idee kam aus den Niederlanden. Ein Mühlenfreund aus dem Osnabrücker Land soll sie dort gesehen und mitgebracht haben: 1987 fand an der Windmühle Lechtingen der erste Mühlentag statt. Daraus wurde zunächst ein niedersächsischer Mühlentag, und 1994 gab es den ersten Deutschen Mühlentag. Veranstalter ist die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung, der Dachverband der Mühlenvereine. Termin ist immer der Pfingstmontag.
Ziel ist, die alte Kulturtechnik der Müllerei wieder bekannt zu machen und Mühlen als technische Denkmale zu erhalten. Dafür öffnen bundesweit über 1000 Wind- und Wassermühlen, viele mit Vorführungen, Führungen und einem kleinen Rahmenprogramm. Manche beginnen schon am Samstag oder Sonntag des Pfingstwochenendes.
2019 wurde der Deutsche Mühlentag in Sachsen-Anhalt eröffnet – an einer Wassermühle in Abbenrode im Nordharz. Die offizielle Eröffnung findet jedes Jahr an einer anderen Mühle statt.
So planen Sie den Tag
Die teilnehmenden Mühlen werden jedes Jahr vor Pfingsten veröffentlicht, bundesweit und von den Landesverbänden. Für einen gelungenen Tag hat sich bewährt:
- Drei Mühlen, nicht zehn. Zwischen den Mühlen liegen oft einige Kilometer über Land. Wer zu viel einplant, sieht überall nur die Hälfte.
- Typen mischen. Eine Wassermühle am Harzrand und eine Windmühle im Vorland zeigen den Unterschied besonders schön, siehe Mühlentypen erkennen.
- Vormittags starten. Gegen Mittag wird es an beliebten Mühlen voll, Vorführungen laufen oft zu festen Zeiten.
- Rad statt Auto. Im flachen Vorland lassen sich Mühlen gut mit dem Fahrrad verbinden, und man spart sich die Parkplatzsuche an Dorfstraßen.
- Bargeld mitnehmen. Eintritt ist oft frei, aber Vereine freuen sich über Spenden und verkaufen Kuchen oder Mehl.
Was man erleben kann
Je nach Mühle wird gemahlen, gesägt oder Öl gepresst. Müller und Vereinsmitglieder erklären, wie der Mahlgang funktioniert, warum Mühlsteine regelmäßig geschärft werden mussten und wie ein Müller den Wind „las“. Für Kinder gibt es häufig Mitmachangebote. Oft verbindet sich der Tag mit einem kleinen Dorffest.
Für wen es nichts ist
Der Mühlentag ist ein Volksfest im Kleinen. Wer Ruhe und ausführliche Gespräche mit dem Müller sucht, wird an beliebten Mühlen kaum zum Zug kommen. Auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität stoßen an Grenzen: Die meisten Mühlen haben steile Stiegen, und oft kann man nur das Erdgeschoss besichtigen. Für alle anderen gilt: Das Pfingstwetter entscheidet mit – und bei Windstille drehen auch die schönsten Flügel nicht.
Abgewogen: Deutscher Mühlentag
Spricht dafür
- An einem Tag öffnen viele Mühlen, die sonst geschlossen sind.
- Mühlen in Betrieb, mit Vorführungen und fachkundigen Erklärungen.
- Familienfreundlich, oft mit Mitmachangeboten.
- Meist ohne oder mit geringem Eintritt.
Spricht dagegen
- Nur ein Termin im Jahr, und der fällt auf ein Feiertagswochenende.
- Beliebte Mühlen sind voll, Parkplätze knapp.
- Bei Windstille stehen die Windmühlen still.
- Steile Stiegen, für viele Menschen nur eingeschränkt zugänglich.
Unser Fazit: Der beste Tag im Jahr, um Mühlen zu erleben – wenn Sie eine kleine Route vorab planen und keine Stille erwarten. Wer Mühlen in Ruhe sehen möchte, fragt lieber außerhalb des Mühlentags nach einer Führung.
Mehr: Deutscher Mühlentag in der Wikipedia.


