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Auszeit im Harz: Klosterwege, Stille und Zeit für sich

Natur & FreizeitAktualisiert am 3 Min. Lesezeit

Der Harz ist für viele ein Ausflugsgebirge: Brocken, Bodetal, Schloss, Höhle, möglichst viel an einem Wochenende. Dabei hat er eine zweite, stillere Seite. Am Nordrand reihen sich Klöster und Stiftskirchen aus tausend Jahren aneinander, dazwischen liegen Wälder, Felder und kleine Orte. Wer ein paar Tage bewusst langsam sein möchte, ist hier richtig.

Klostergebäude und Garten von Kloster Drübeck am nördlichen Harzrand
Kloster Drübeck am Nordrand des Harzes · Foto: Benutzer:Hejkal, CC BY-SA 3.0 de, Wikimedia Commons

Der Harzer Klosterwanderweg

Die Klöster sind seit einigen Jahren durch einen eigenen Weg verbunden. Der Harzer Klosterwanderweg führt auf rund 118 Kilometern am nördlichen Harzrand entlang, von der Neuwerkkirche in Goslar über Ilsenburg, Drübeck, Wernigerode, Michaelstein, Blankenburg, Thale, Gernrode und Quedlinburg bis zum Dom in Halberstadt. Die Tourismusverbände schlagen sieben Etappen zwischen etwa 11 und 21 Kilometern vor.

Unterwegs stehen sogenannte Engelsbänke, die ersten wurden 2016 aufgestellt. Seit 2017 gibt es am Weg auch Stempelkästen der Harzer Wandernadel; wer alle Stempel sammelt, erhält eine Nadel mit kupfernem Pilgerkreuz. Man muss aber weder pilgern noch Stempel sammeln, um den Weg zu genießen. Schon eine einzelne Etappe von Kloster zu Kloster ist ein ruhiger, sehr schöner Wandertag.

Etappenidee für einen Tag

Von der Bergkirche in Blankenburg nach Thale sind es knapp zwölf Kilometer. Wer danach noch Kraft hat, schaut am Abend ins Bodetal, wenn die Tagesausflügler abgereist sind.

Orte der Stille

Kloster Drübeck bei Ilsenburg wurde 960 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Heute ist es eine Tagungsstätte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland mit einem Haus der Stille, das Kurse und Einkehrtage anbietet. Der Klostergarten und die romanische Kirche sind auch für Tagesgäste ein Ort zum Durchatmen.

Kloster Michaelstein in Blankenburg ist eine ehemalige Zisterzienserabtei. Heute dient es als Musikakademie, Konzertort, Tagungshaus und Museum. Wer Glück hat, hört bei einem Spaziergang durch die Anlage Proben aus den Übungsräumen.

In Gernrode steht mit der Stiftskirche St. Cyriakus einer der ältesten Kirchenräume Deutschlands. Außerhalb der Gottesdienste ist es dort oft sehr still – ein Raum, der durch seine Schlichtheit wirkt.

Wald ohne Programm

Die Wälder des Harzes eignen sich hervorragend für lange Gänge ohne Ziel. Vieles, was heute unter Begriffen wie Waldbaden oder achtsames Gehen angeboten wird, lässt sich hier ganz ohne Kursgebühr ausprobieren: langsam gehen, stehen bleiben, hinhören. Am ruhigsten ist es abseits der bekannten Gipfel und Aussichtspunkte, früh am Morgen und außerhalb der Ferien. Im Nationalpark gelten allerdings Regeln: auf den Wegen bleiben, Hunde an die Leine.

Yoga, Meditation, Fasten

Am Harzrand gibt es Seminarhäuser, Pensionen und kirchliche Einrichtungen, die Yoga-Wochenenden, Meditationskurse, Fastenwochen oder Schweigetage anbieten. Die Angebote sind sehr unterschiedlich, von kirchlicher Einkehr bis zu freien Yogalehrerinnen und -lehrern. Ein paar Fragen helfen bei der Auswahl:

  • Wer leitet? Eine seriöse Kursleitung nennt ihre Ausbildung und ihren Hintergrund.
  • Wie viel Programm? Manche Wochen sind eng getaktet, andere lassen viel freie Zeit für Spaziergänge.
  • Wie still ist der Ort? Ein Haus am Waldrand ist etwas anderes als eine Pension an der Durchgangsstraße.
  • Was ist bei Vorerkrankungen? Bei Fastenkursen und intensiven Atemübungen sollte vorher geklärt sein, ob die Teilnahme ärztlich unbedenklich ist.

Für viele liegt der Reiz gerade in der Kombination: morgens eine Stunde Yoga oder Meditation, danach ein Stück Klosterwanderweg, abends Ruhe.

Abgewogen: Auszeit im Harz

Spricht dafür

  • Stille Orte mit tausend Jahren Geschichte, oft nur wenige Kilometer von belebten Zielen entfernt.
  • Der Klosterwanderweg lässt sich in Tagesetappen gehen, mit Bahn und Bus an vielen Punkten.
  • Einkehr- und Kursangebote von kirchlich bis frei, für jede Haltung etwas.
  • Kein Eintritt für Wege und Wald.

Spricht dagegen

  • Kaum Luxus: Unterkünfte am Weg sind meist einfach.
  • An Wochenenden auch am Nordrand Tagesausflügler, echte Ruhe eher unter der Woche.
  • Kursangebote schwanken stark in Qualität, Auswahl braucht Zeit.
  • Im Winter sind manche Klöster und Häuser nur eingeschränkt geöffnet.

Unser Fazit: Wer Ruhe sucht, findet sie im Harz eher am Nordrand und auf den Klosterwegen als an den großen Ausflugszielen. Eine Auszeit hier ist schlicht und ehrlich – wer Wellness-Luxus erwartet, sollte anders planen.

Mehr: Harzer Klosterwanderweg und Kloster Drübeck in der Wikipedia.

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