Baumannshöhle in Rübeland: die älteste Schauhöhle Deutschlands
Im engen Tal der Bode, wo die Straße zwischen steilen Kalkwänden hindurchführt, liegt Rübeland. Der kleine Ort ist für zwei Höhlen bekannt, die nur ein paar Schritte auseinanderliegen: die Hermannshöhle und die Baumannshöhle. Die zweite gilt als die älteste Schauhöhle Deutschlands.

Die Sage vom Bergmann Baumann
Die Höhle trägt angeblich den Namen eines Bergmanns namens Friedrich Baumann, der sich um 1536 auf der Suche nach Erz darin verirrt haben soll. Drei Tage lang habe er im Dunkeln nach dem Ausgang gesucht, habe noch von der Höhle berichten können und sei dann an den Folgen gestorben. Eine gute Geschichte – mit einem Haken: Das Datum 1536 wurde in den 1930er Jahren frei erfunden, um ein Jubiläum feiern zu können. Belegt ist die Sage nicht.
Sicher ist dagegen, dass die Höhle seit dem 16. Jahrhundert besucht wurde. 1649 erhielt eine Familie aus Rübeland das Privileg, Besucher hindurchzuführen – der Beginn regelmäßiger Führungen. Weil Besucher Tropfsteine abschlugen, erließ der Herzog von Braunschweig 1668 eine Verordnung zu ihrem Schutz. Deshalb gilt die Baumannshöhle auch als erstes rechtlich geschütztes Naturdenkmal in Deutschland.
Berühmte Gäste
Johann Wolfgang von Goethe war gleich dreimal hier: 1777, 1783 und 1784. Schon vor ihm kamen Gelehrte wie Gottfried Wilhelm Leibniz. Die älteste überlieferte Darstellung des Höhleninneren stammt von Matthäus Merian aus dem Jahr 1654. Nach Goethe ist heute der größte Raum benannt, der Goethesaal mit rund 2500 Quadratmetern Grundfläche. Dort finden Konzerte statt, in den Ferien gelegentlich Theater, und der Saal dient sogar als Außenstelle des Standesamts.
Was die Führung zeigt
Die Höhle entstand im Devonkalk, eng verbunden mit der Entstehung des Bodetals. Bei der Führung sieht man Tropfsteinformationen, Gänge und Säle, dazu ein rekonstruiertes Skelett eines Höhlenbären. Die Höhle ist durch zahlreiche Knochenfunde des ausgestorbenen Tiers bekannt geworden. Ein kleiner Raum heißt „Hamburger Wappen“, weil eine Felsformation Goethe an das Wappen der Hansestadt erinnerte.
In Höhlen ist es das ganze Jahr über kühl. Nehmen Sie eine Jacke mit, auch wenn draußen Sommer ist, und tragen Sie Schuhe mit griffiger Sohle – die Wege sind feucht, es gibt Stufen.
Baumannshöhle oder Hermannshöhle?
Beide Höhlen werden getrennt geführt. Die Hermannshöhle wurde erst 1866 entdeckt und ist vor allem für die einzigen Grottenolme Deutschlands bekannt, die dort seit den 1930er Jahren in einem künstlichen Höhlengewässer leben. Wer nur Zeit für eine Höhle hat, wählt nach Interesse: Geschichte und Goethe in der Baumannshöhle, Olme und reicher Tropfsteinschmuck in der Hermannshöhle. Mit Kindern reicht meist eine.
Kombinieren
Rübeland liegt an der Straße zwischen Blankenburg und Elbingerode. Wer am selben Tag an die frische Luft möchte, fährt weiter ins Bodetal bei Thale oder zurück zum Regenstein. Einen Überblick über Bergwerke und Höhlen gibt die Themenseite Der Harz unter Tage.
Abgewogen: Baumannshöhle Rübeland
Spricht dafür
- Älteste Schauhöhle Deutschlands mit Geschichte bis ins 16. Jahrhundert.
- Wetterunabhängig und in gut einer Stunde zu schaffen.
- Höhlenbär und Goethesaal machen die Führung auch für Kinder spannend.
- Direkt kombinierbar mit der Hermannshöhle und dem Bodetal.
Spricht dagegen
- Nur mit Führung, in der Saison mit Wartezeiten.
- Enge Stellen, Stufen und feuchte Wege, nicht barrierefrei.
- Wer viele Höhlen kennt, sieht hier keine außergewöhnlichen Tropfsteine.
- Die Ortsdurchfahrt ist eng, Parkplätze sind in der Hauptsaison knapp.
Unser Fazit: Ein schöner, überschaubarer Ausflug für Familien und ein verlässliches Ziel bei schlechtem Wetter. Wer schon viele Tropfsteinhöhlen kennt, sollte die Geschichte der Höhle als Hauptgrund sehen – spektakulärer als anderswo sind die Tropfsteine nicht.
Quelle: Baumannshöhle in der Wikipedia.


